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Marktreport 2026

SACH-/
TECH­NISCHE-VERSICHER­UNG

Allgemeine Trends und Schaden­entwicklung

Die industrielle Sachversicherung erlebt 2026 einen spürbaren Stimmungsumschwung. Nach mehreren Jahren steigender Prämien, Selbstbehalte und knapper Kapazitäten kehrt der Wettbewerb zurück. Das heißt konkret: Kapazitäten sind wieder verfügbar und Konditionen verhandelbar. Diese Entspannung wird getragen von einer deutlich verbesserten Ertragslage auf Seiten der Versicherer.

Nach aktuellsten, noch vorläufigen Zahlen des GDV wies die Sachversicherung für Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft 2025 eine Schaden-Kosten-Quote von 92 Prozent aus – das zweite Jahr in Folge unter der 100-Prozent-Marke und der beste Wert seit 2005. Am Markt ist zunehmend von einer weicheren Phase die Rede – für Unternehmen ein guter Anlass, ihre bestehenden Programme jetzt auf den Prüfstand zu stellen.

Diese gute Nachricht hat jedoch auch eine Kehrseite: Der Markt bleibt hochgradig selektiv. Einheitliche Marktbewegungen sind kaum noch erkennbar, stattdessen bewerten die Versicherer Risiken deutlich detaillierter als früher. Und zwar je nach Branche, Standort, Schadenhistorie und vor allem Präventionsniveau.

Konkret sortiert sich der Markt entlang der Risikoqualität: Unternehmen mit gutem Schutzniveau und belastbarer Datenlage begegnen einem wachsenden Zeichnungsinteresse, gleichbleibenden bis leicht, aber spürbar sinkenden Prämien und wieder verfügbarer Kapazität. Risiken mittlerer Qualität bewegen sich weitgehend seitwärts. Für exponierte oder schadenbelastete Betriebe ohne belastbare Unterlagen kehrt sich das Bild um: knappere Kapazität, höhere Preise und oft nur eingeschränkte Deckung.

Grafik Marktreport Sachversicherung Konditionen nach Risikoqualität

Der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) warnt hier unverändert vor einem regelrechten Deckungsnotstand: In exponierten Branchen wie Chemie, Lebensmittel, Recycling, Galvanik oder Holzverarbeitung ist volle Kapazität heute kein Selbstläufer mehr. Sie hängt maßgeblich davon ab, wie konsequent ein Unternehmen in Prävention investiert hat — ohne belastbaren Schutznachweis bleiben Deckungen knapp oder teuer. Der BDVM sieht die Lage in diesen Segmenten unverändert kritisch.

Grafik_Marktreport_Sach-Deckungsnotstand_02

Technische Versicherung: ausgeglichen, aber selektiv bei neuen Technologien

In der technischen Versicherung zeigt sich ein ausgeglichenes Bild. Die Schaden-Kosten-Quote lag 2025 – ebenfalls nach vorläufigen Zahlen – bei 81 Prozent nach 85,6 Prozent im Vorjahr. Preise und Kapazitäten sind über die Sparten hinweg stabil. Selektiver agieren die Versicherer aber bei neuen Technologien, insbesondere Großbatteriespeicher (BESS), Wasserstoffanlagen und Projekte der erneuerbaren Energien, sowie bei Ertrags- und Betriebsunterbrechungsdeckungen, wo strukturelle Risikofaktoren fortbestehen.

„Der Markt ist weicher geworden, aber er verschenkt nichts. Den Vorteil holt sich, wer sein Risiko kennt und belegen kann. Wir behalten den Überblick, auch in bewegten Zeiten, und verhandeln auf Augenhöhe, weil wir Ihr Risiko begreifen. So passt Ihre Absicherung zu dem, was Sie wirklich brauchen. Heute und dann, wenn sich der Zyklus wieder dreht.“
Florian Nowack, Leitung Sach

Heraus­forderungen für Unternehmen

Zwei Themen entscheiden 2026 maßgeblich über Prämie und Versicherbarkeit: Naturgefahren und Brandschutz. Die klimabedingte Zunahme von Extremwetterereignissen ist im Risikobild vieler Unternehmen mittlerweile fest verankert. Häufigere Ereignisse, höhere Intensitäten und wachsende Sekundärgefahren wie Starkregen, Rückstau oder Hagel, führen dazu, dass Naturgefahren nicht mehr als Randthema einzelner Standorte gelten.

Die Versicherer prüfen Naturgefahrenexponierungen mit aktualisierten Modellen sehr genau und verlangen zunehmend standortbezogene Risikodaten anstelle von allgemeinen Kennzahlen. Und dies, obwohl im Jahr 2025 nur geringe Schäden aus Naturgefahren zu verzeichnen waren.

Ein häufig unterschätzter Kostentreiber steckt in der Schadenhöhe. Neben teureren Bauteilen und Reparaturen verlängern Genehmigungsverfahren und Lieferengpässe die Wiederaufbauzeiten spürbar. Und je länger ein Betrieb stillsteht, desto größer wird der Betriebsunterbrechungsschaden. Häufig übersteigt dieser Ertragsausfall den reinen Sachschaden erheblich.

Auch beim Brandschutz steigen die Anforderungen kontinuierlich. Versicherer fordern Investitionen in den anlagentechnischen, baulichen und organisatorischen Brandschutz – teils in erheblicher Höhe und in Fristen, die nur schwer einzuhalten sind.

Versicherer sprechen inzwischen von einem Präventionsnotstand. Der BDVM hält dagegen, dass die Anforderungen in den gesetzten Fristen häufig nicht zu erfüllen sind. Entscheidend ist dabei ein Punkt, der in der Praxis oft übersehen wird: Der versicherungstechnische Brandschutz reicht regelmäßig weiter als das, was das Baurecht vorschreibt. Eine baurechtliche Abnahme bedeutet also nicht automatisch, dass der Schutz auch dem Versicherer genügt.

Zunehmend erwarten Versicherer außerdem dokumentierte Notfall- und Business-Continuity-Konzepte als Nachweis, dass ein Betrieb einen Schadenfall organisiert überstehen kann. Für Unternehmen bedeutet das: Prävention ist nicht länger nur Schadenvermeidung, sondern Voraussetzung für die Versicherbarkeit selbst.

Die Konsequenz zeigt sich im Alltag: der Markt ist und bleibt ein Verhandlungsmarkt. Gerade der industrielle Mittelstand profitiert von der Marktentspannung oft weniger als große Konzerne. Besonders im Fokus stehen dabei Immobilienbestände, die bekannten Hochrisikobetriebsarten sowie Lager- und Logistikstandorte, deren Brandschutzniveau nicht selten hinter den Erwartungen der Versicherer zurückbleibt.

Von allein sinken die Prämien nicht, Entlastung entsteht dort, wo Risiken aktiv platziert und mit den Versicherern auf Augenhöhe diskutiert werden.

Kennzahlen: GDV, Schaden-Kosten-Quoten der Schaden- und Unfallversicherung; Werte für 2025 vorläufig, Stand 04.02.2026.

Unsere Empfehlung

Die aktuell weichere Marktphase ist eine Chance, aber nur für Unternehmen, die ihr Risikoprofil aktiv gestalten. Der Schlüssel liegt nicht mehr im Preisvergleich, sondern in der Qualität der eigenen Risikoinformationen.

Naturgefahren standortbezogen bewerten
Aktuelle Exponierungsanalysen für jeden Standort schaffen die Datengrundlage, die Versicherer heute erwarten.
Brandschutz proaktiv angehen
Wer Maßnahmen frühzeitig plant und umsetzt, verbessert Platzierbarkeit und Konditionen deutlich; solche Prozesse können sich über viele Jahre erstrecken.
Business Continuity dokumentieren
Notfall- und Wiederanlaufkonzepte begrenzen Betriebsunterbrechungsschäden und sind ein wachsender Faktor bei Zeichnung und Pricing.
Versicherungs-
werte aktuell halten
Gestiegene Wiederbeschaffungs- und Baukosten führen sonst zu Unterversicherung; nachvollziehbare Werte sind Pflicht.
Risikodaten strukturiert aufbereiten
Konsistente Schadenhistorien und transparente Risikostrukturen sind der entscheidende Hebel für Kapazität und Preis.
Alternative Lösungen prüfen
Bei schwer platzierbaren Risiken gewinnen parametrische Modelle und Captives an Bedeutung.