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Marktreport 2026

KFZ-
VERSICHER­UNG

Allgemeine Trends und Schaden­entwicklung

Für Unternehmen mit Fuhrpark bleibt die Kfz-Flottenversicherung 2026 eine der anspruchsvollsten Sparten im Versicherungsportfolio. Die Bewertung der Lage lautet übereinstimmend: Während sich der Industrieversicherungsmarkt in vielen Sparten entspannt, bleibt die Kfz-Flottenversicherung das Problemfeld. Das belegen auch die Zahlen: Während die Kraftfahrtversicherung insgesamt 2025 mit 96 Prozent erstmals seit 2021 wieder unter der 100-Prozent-Marke lag, blieb die Flottenversicherung mit 101 Prozent darüber. Erhebliche Preisaufschläge gelten für viele Flotten weiterhin als unvermeidbar.

Die gute Nachricht: Der Anpassungsdruck hat gegenüber den Vorjahren spürbar nachgelassen. Ein Selbstläufer ist die Erneuerung damit aber nicht — Versicherer arbeiten weiterhin an der Sanierung ihrer Bestände, sodass auch unauffällige Flotten nicht automatisch mit unveränderten Konditionen rechnen können. Der BDVM beschreibt den Kfz-Flottenmarkt zwar als zuletzt etwas „weicher", sieht aber keine generelle Entspannung.

Die Ursachen für diese Entwicklung liegen nach wie vor auf der Schadenseite, und sie wirken im gewerblichen Fuhrpark genauso wie im Gesamtmarkt. Ein Faktor ist die zunehmend komplexere Fahrzeugtechnik: Assistenzsysteme, Sensorik und Kameras führen selbst bei kleineren Blechschäden zu teuren Instandsetzungen. Hinzu kommen stark gestiegene Preise für Ersatzteile und hohe Werkstattkosten.

Designschutz

Ein wesentlicher Treiber der Ersatzteilpreise ist der sogenannte Designschutz. Er sichert Herstellern nicht nur das Design des Fahrzeugs, sondern auch das aller sichtbaren Karosserieteile — Türen, Kotflügel, Motorhauben, Außenspiegel. Werkstätten können diese Teile nicht frei am Markt einkaufen, sondern müssen sie direkt beim Hersteller beziehen. Freier Wettbewerb existiert hier praktisch nicht, und die Preise entwickeln sich entsprechend. Zwar kennt das Designgesetz seit 2020 eine Reparaturklausel, die formgebundene Ersatzteile vom Schutz ausnimmt — sie greift jedoch nur für Bauteile, deren Design nach Inkrafttreten angemeldet wurde. Der Altbestand bleibt geschützt, und das betrifft praktisch jedes Fahrzeug im heutigen Fuhrpark. Ein Gesetzentwurf zur Umsetzung der EU-Designrichtlinie verkürzt die Übergangsfrist für den Altbestand deutlich: Sie soll am 9. Dezember 2032 enden statt wie bisher 2045. Das parlamentarische Verfahren läuft. Für Fuhrparkbetreiber heißt das: Dieser Kostentreiber bleibt auf Jahre bestehen.

Preisanstieg für Auto-Ersatzteile von 2024 zu 2025_600x750-1

Werkstatt­kosten

Parallel steigen die Werkstattkosten. In vielen Betrieben liegen die Stundensätze inzwischen über 200 Euro. Zusammen mit den höheren Materialkosten führt das zu deutlich teureren Reparaturen — auch bei kleineren Schäden, die im Flottenalltag den größten Anteil ausmachen.

Grafik Ersatzteilpreise 2014-2024_600x750
„Ich empfehle: defensiv fahren, vorausschauend handeln. Jeder verhinderte Unfall hilft, die Schadenquote stabil zu halten und Beitragssteigerungen zu begrenzen.“
Daniela Hänig, Leitung KFZ

Heraus­forderungen für Unternehmen

Für Unternehmen mit Fuhrpark gilt daher: Die Zeiten pauschaler Vertragsverlängerungen sind vorbei. Die Erneuerungsrunde zum 1. Januar 2025 war von spürbaren Beitragsanpassungen geprägt, weitgehend unabhängig vom individuellen Schadenverlauf.

Zum 1. Januar 2026 fiel das Bild differenzierter aus: Anpassungen blieben die Regel, trafen aber stärker die schadenbelasteten Fuhrparks. Das basiert auf folgendem Hintergrund: Die meisten Flotten-Rahmenverträge enthalten Schadenquoten-Klauseln, die den Versicherer berechtigen, den Beitrag zu Beginn der neuen Versicherungsperiode je nach Schadenverlauf anzuheben.

Da viele Verträge in der Tarifierung bereits ausgereizt sind, fehlt oft ein Puffer, um einzelne zusätzliche Schadenereignisse abzufedern. So kann schon ein einziger größerer Schaden die Schadenquote kippen lassen. Viele Unternehmen haben bereits gegengesteuert, beispielsweise durch höhere Selbstbeteiligungen oder den Ausschluss von Glasschäden.

Hinzu kommt, dass Versicherer ihre Zeichnungspolitik zunehmend datengetrieben ausrichten und die Anforderungen an die Risikotransparenz steigen. Unternehmen, die belastbare Angaben zu Fahrzeugbestand, Nutzung und Schadenhistorie bereitstellen, verbessern daher ihre Verhandlungsposition erheblich.

Kennzahlen: GDV, Schaden-Kosten-Quoten der Kraftfahrtversicherung; Werte für 2025 vorläufig, Stand 04.02.2026.

Unsere Empfehlung

Die Kfz-Versicherung ist längst kein Selbstläufer mehr. Wer seine Kosten im Griff behalten möchte, sollte aktiv gegensteuern und Anpassungen seitens des Versicherers nicht einfach hinnehmen. Die wichtigsten Punkte dabei im Überblick:

Schadenquote steuern
Fahrerschulungen und Fahrsicherheitstrainings senken die Schadenhäufigkeit und Schadenhöhe – der wirksamste Langfristhebel.
Selbstbehalte
Höhere Selbstbeteiligungen senken den Beitrag, sofern Liquidität für Kleinschäden vorhanden ist.
Vertrags­modelle
Verlaufsrabatte, einheitliche Stückprämien pro Fahrzeug oder Aggregatlösungen für größere Flotten.
Werkstatt-
steuerung
Karosserie- und Glasfachbetriebe statt Vertragswerkstätten reduzieren die Reparaturkosten. Die Versicherer tragen überteuerte Reparaturen nicht länger und kürzen bei der Entschädigung.
Schadendaten
Belastbare Risikoinformationen sind die Grundlage für bessere Konditionen in der Erneuerung.
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Leitung Kraftfahrt
Daniela Hänig