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Marktreport 2026

Haftpflicht­versicher­ung

Allgemeine Trends und Schaden­entwicklung

Im Industrie- und Gewerbeversicherungsmarkt gehört die Haftpflicht auch im Jahr 2026 zu den freundlicheren Sparten. Anders als in der angespannten Sachversicherung sind die Kapazitäten reichlich, der Preiswettbewerb ist lebhaft, und die Ertragslage der Versicherer ist solide: Die Schaden-Kosten-Quote der Allgemeinen Haftpflichtversicherung lag 2025 mit rund 88 Prozent erneut deutlich unter der kritischen 100-Prozent-Marke. Für Unternehmen mit positivem Schadenverlauf bedeutet das eine gute Verhandlungsposition, bei Prämien ebenso wie bei Bedingungen und Deckungssummen.

Diese Stabilität unterliegt jedoch einer Bedingung: Sie gilt für Risiken, die korrekt dokumentiert und professionell gemanagt sind, denn parallel wirkt die Schadeninflation weiter. Ein Schaden, der vor fünf Jahren 20.000 Euro kostete, schlägt heute bei gleicher Ursache oft mit 30.000 Euro oder mehr zu Buche. Fehlerhafte Produkte sind laut Allianz Commercial über die letzten Jahre die teuerste Ursache für Haftungsansprüche und machen über 40 Prozent des Schadenwerts aus – und die Zahl der Produkthaftungsfälle steigt.

Grafik Marktreport 2026 Haftpflicht, Schadeninflation: Gleicher Schaden, höhere Kosten

Ein besonderes Kapitel bleibt das US-Geschäft. Für Unternehmen mit relevanter US-Exponierung – etwa durch Produktabsatz oder Tochtergesellschaften in den USA – ist Haftpflicht weiterhin die Ausnahme im ansonsten entspannten Markt: Hohe Schadenersatzsummen und die sogenannte soziale Inflation treiben dort die Prämien, während sie in Europa sinken. Gleichzeitig reduzieren sich die Kapazitäten für den bereitgestellten Versicherungsschutz. Für die Mehrheit der mittelständischen Unternehmen ohne nennenswertes US-Geschäft ist dieser Effekt jedoch nachrangig – für sie zählt der deutsche Markt.

„Komplexere Produkte, geopolitischer Wandel und eine sich stetig verändernde Wirtschaft und Rechtsprechung machen die detaillierte Prüfung und Analyse des Haftungsrisikos auch für den deutschen Mittelstand notwendig und nachhaltig – nicht nur für Großunternehmen. Prävention spielt dabei eine wichtige Rolle, wie auch Ihr Versicherungsschutz, der so individuell gestaltet werden sollte, wie Ihr Unternehmen. Die Individualität Ihres Unternehmens übernehmen Sie, die Individualität Ihres Versicherungsschutzes übernehmen wir.“
Hans-Jürgen Prang, Leitung Haft

Heraus­forderungen für Unternehmen

Die eigentliche Verschiebung des Jahres 2026 liegt nicht im Preis, sondern in den Anforderungen. Versicherer übertragen Sorgfaltspflichten, die früher Großkonzernen vorbehalten waren, zunehmend auch auf den Mittelstand: transparente Angaben zu Risiken, ein belastbares Risikomanagement und ein dokumentiertes Schadenbewusstsein entscheiden immer häufiger über Kapazität, gezeichnete Deckungssummen und Prämie. Wer hier gut aufgestellt ist, profitiert vom weichen Markt, wer es nicht ist, spürt deutliche Zurückhaltung.

 Zwei regulatorische Themen prägen die Sparte. Erstens PFAS – die „Ewigkeitschemikalien“: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat seine Musterbedingungen um eine PFAS-Klausel erweitert, mit der ein weitreichender Haftungsausschluss im Raum steht.

Ob und wie PFAS-Schäden zukünftig gedeckt sind, hängt maßgeblich von einer möglichen EU-Regelung ab – für Unternehmen aus Chemie, Maschinenbau, Oberflächentechnik und weiteren Branchen mit PFAS-Einsatz ein erhebliches Risiko. Derzeit besteht bei den Bestandsverträgen kein genereller Ausschluss für PFAS. Anders als im US-Markt prüfen die deutschen Versicherer dieses Risiko genauer. Über eigene Klauseln wollen sie einen künftigen Komplettausschluss zumindest teilweise vermeiden.

Zweitens die neue EU-Produkthaftungsrichtlinie, die bis zum 9. Dezember 2026 in deutsches Recht umgesetzt sein muss. Das neue Produkthaftungsgesetz soll zum selben Tag in Kraft treten und gilt für Produkte, die ab diesem Datum in Verkehr gebracht werden. Es erweitert die Haftung unter anderem auf Software und digitale Produkte und dürfte sich mittelfristig in den Schadenquoten niederschlagen.

Kennzahlen: GDV, Schaden-Kosten-Quoten der Schaden- und Unfallversicherung; Werte für 2025 vorläufig, Stand 04.02.2026.

Unsere Empfehlung

Der Haftpflichtmarkt 2026 belohnt Unternehmen, die ihre Risiken kennen und belegen können. Genau hier setzt unsere Arbeit an: Wir sorgen dafür, dass Ihr Risikoprofil den Versicherern in der Sprache begegnet, die über Kapazität, Bedingungen und Prämie entscheidet – und dass Ihr Deckungskonzept zu den realen Gefahren Ihres Unternehmens passt, nicht zu einem Standardtarif.

Verhandlungs-
spielraum nutzen
Der weiche Markt bietet Chancen bei Prämie, Kapazitäten und Bedingungen; ein sauber aufbereitetes Risikoprofil verwandelt sie in konkrete Vorteile.
Risiken dokumentieren
Transparente Angaben, belastbares Risikomanagement und nachweisbares Schadenbewusstsein sichern Kapazität und günstige Konditionen.
PFAS-Exponierung prüfen
Einsatzbereiche, Alternativen und Lieferketten frühzeitig klären, bevor Ausschlussklauseln greifen.
Produkthaftung neu bewerten
Die erweiterte EU-Produkthaftung erfasst auch Software und digitale Produkte; Deckungskonzepte gehören auf den Prüfstand.
US-Exponierung gesondert steuern
Wer Produkte oder Tochtergesellschaften in den USA hat, braucht eine eigene, spezialisierte Absicherungsstrategie.