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Marktreport 2026

Financial Lines

Allgemeine Trends und Schaden­entwicklung

Financial Lines bündelt nach dem allgemeinen Verständnis die Absicherung von Vermögensschäden – von der Managerhaftpflicht (D&O) über die Vermögensschaden- und Berufshaftpflicht bis hin zu Vertrauensschaden- und Transaktionsversicherungen (W&I). All diese Sparten verbindet, dass ihre Risiken stark von Konjunktur, Regulatorik und Rechtsprechung getrieben werden, und genau diese Faktoren sorgen aktuell für ein zweigeteiltes Bild: entspannte Marktkonditionen bei gleichzeitig steigender Schadenlast.

D&O-Versicherung: entspannter Markt, wachsende Risiken

Nach der harten Marktphase der frühen 2020er-Jahre hat sich die D&O-Versicherung deutlich beruhigt. Es stehen ausreichend Kapazitäten zur Verfügung, neue Anbieter sind eingestiegen und für Unternehmen mit gutem Risikoprofil sind die Bedingungen käuferfreundlich – teils mit Prämienreduzierungen und Mehrjahresverträgen.

Allerdings darf diese Entspannung nicht über die Schadenentwicklung hinwegtäuschen: Die Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigen, dass die D&O-Schäden in 2024 das dritte Jahr in Folge gestiegen sind. Die Zahl der Versicherungsfälle stieg um knapp 12 Prozent auf rund 2.500, der Schadenaufwand sogar um 27 Prozent. Da dem Verband auch nur die Meldungen der Mitgliedsversicherer bekannt sind, wird die Dunkelziffer noch höher geschätzt.

Durchschnittlich kostete jeder Fall mehr als 115.000 EUR, knapp 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Besonders aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang die Schere zur Beitragsseite: Während der Schadenaufwand um 27 Prozent stieg, legten die Beitragseinnahmen nur um 1,5 Prozent zu. Die Schäden wuchsen also rund achtzehnmal stärker als die Beiträge.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich D&O-Schäden in der Regel über Jahre hinziehen. Die scheinbar günstige Marktlage von heute ergibt in dieser Kombination langfristige Belastungen, die sich erst erheblich später in den Bilanzen der Versicherer bemerkbar machen. Marktbeobachter erwarten für 2026 zunächst eine weitere Stabilisierung, mittelfristig aber wieder anziehende Prämien, da die aktuellen Preise das tatsächliche Haftungsrisiko nicht abbilden.

Vermögens­schaden­haftpflicht: stabil und verlässlich

Der Markt für die Berufshaftpflicht, insbesondere bei rechts- und wirtschaftsberatenden Berufen wie Rechtsanwälten, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern – zeigt sich auch 2026 stabil. Die Vermögensschadenhaftpflicht ist für diese Berufsgruppen verpflichtend und mit definierten Mindestversicherungssummen seitens der berufsständischen Kammern belegt. Der Anbieterkreis dafür ist etabliert, die Kapazitäten sind ausreichend, und die Prämien bewegen sich auf konstantem Niveau – bei Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern angesichts prominenter Schadenfälle der letzten Jahre tendenziell leicht erhöht.

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„Wir bewegen uns in einem Marktumfeld, in dem die Prämien sinken, wir aber gleichzeitig mit einer zunehmenden Kumulation und Komplexität von Risiken konfrontiert sind – von Insolvenzen bis hin zu KI-Haftungen. Die große Frage ist nicht, ob die Preise fallen, sondern ob der Wert stimmt, wenn es darauf ankommt.“
Janina Mundus, Leitung Financial Lines

Die fünf D&O-Schadentreiber 2026

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Insolvenzen

Steigende Insolvenzzahlen führen dazu, dass Insolvenzverwalter Managemententscheidungen systematisch auf Ersatzansprüche prüfen – der mit Abstand häufigste Auslöser. 

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Regulatorik

NIS2, DORA, CSRD und die EU-Lieferkettenrichtlinie schaffen neue Haftungstatbestände und Dokumentationspflichten.

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Cyber

Cybervorfälle sind ein regelmäßiger D&O-Schadentreiber – Führungskräfte haften persönlich für unzureichende IT-Sicherheit.

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Künstliche Intelligenz

Der Einsatz von KI verschärft klassische Organpflichten und schafft neue Fehlerquellen bei Managemententscheidungen.

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Geopolitik

Sanktionsregime, Handelskonflikte und Lieferkettenrisiken führen zu Entscheidungen unter Unsicherheit – Fehleinschätzungen können persönliche Haftung auslösen.

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Bei der Vermögensschadenhaftpflicht wächst das Risikobewusstsein deutlich: Kanzleien fragen häufiger höhere Versicherungssummen nach. Neue Tätigkeitsfelder, beispielsweise im Insolvenzbereich, in der Compliance-Beratung oder rund um Geldwäsche-Meldepflichten, bringen Haftungsrisiken mit sich, die in klassischen Deckungen nicht immer ausreichend erfasst sind.

Hinzu kommt der Einsatz von Legal Tech und Künstlicher Intelligenz: Kanzleien integrieren diese Technologien zunehmend in den Arbeitsalltag, während die Versicherer bei diesem Thema noch zurückhaltend agieren. Die Folge: Ein Spannungsfeld zwischen Innovation und Versicherbarkeit.

Unsere Empfehlung

Bei Financial Lines handelt es sich nicht um eine Sparte, die man einmal abschließt und dann vergisst. Haftungsrisiken verändern sich teilweise rasend schnell, und dabei muss der Versicherungsschutz mithalten.

Wir empfehlen Unternehmen und Kanzleien, regelmäßig folgende Punkte zu prüfen:

Sind die Deckungssummen noch angemessen?
Gerade mit Blick auf Cyber-, ESG- und KI-bezogene Haftungsrisiken sollten die vereinbarten Summen kritisch hinterfragt werden.
Passt die Struktur der Absicherung?
In der D&O können Exzedentenlösungen den Gesamtschutz kosteneffizient erweitern; eine Personal-D&O ergänzt die Unternehmenspolice um individuellen Schutz für einzelne Führungskräfte.
Ist der Schutz auf neue Tätigkeitsfelder abgestimmt?
In der VSH sollten neue Beratungsfelder und der Einsatz von Legal Tech / KI ausdrücklich in den Deckungsumfang einbezogen werden.
Sind ergänzende Bausteine mitgedacht?
D&O und Strafrechtsschutz gehören zusammen – schon der bloße Verdacht einer Pflichtverletzung kann ein Strafverfahren auslösen, lange bevor ein Schaden feststeht.
Professionelles und modernes Porträt von Janina Mundus als Leitung Financial Lines.
Leitung Financial Lines
Janina Mundus